Bitcoin. Cryptogeld überrascht alle: Anleger, Unternehmer, Behörden, Politik und Banken. Lagebericht aus der Bitcoin-Nation Österreich.

Ach Bitcoin, was tust du uns an? Gefühlte 95 Prozent der Menschen wissen noch nicht mal, was eine Cryptowährung überhaupt ist – aber du schnellst einfach über 2200 Euro? Und das mitten in der Aufregung, die Nationalbank- Chef Ewald Nowotny im Interview mit der "Presse" ausgelöst hat? "Es ist völlig ausgeschlossen, dass das zu einer legalen Währung werden kann", hat Nowotny gesagt. An dem Sager sind Beziehungen zu Bruch gegangen. Bankbeziehungen. "Die Presse" hat von einer Reihe derartiger Vorfälle erfahren. Bitcoin, dieses neuartige Ding, ist nicht nur für Anleger Chance und Risiko – auch für Unternehmer, Banken und sogar Politiker. Aber eines hat sich doch verändert: Bitcoin wird jetzt ernst genommen. Manchmal zu ernst.

"Grundsätzlich ist Bitcoin eine alternative Währung, die in Wahrheit als Ware gilt", sagt FMA-Sprecher Klaus Grubelnik. Am besten lässt sich die Situation so erklären: Weil Bitcoin keine offizielle Währung ist, sondern eine Ware, kann man einen Kaufvertrag auch nicht in Bitcoin abschließen. "Man kann nur tauschen: Bitcoin gegen eine andere Ware", sagt der Wiener Anwalt Oliver Völkel. Er hat sich gemeinsam mit seinem Partner Arthur Stadler auf die Themen Crypto und Blockchain spezialisiert. Die beiden sind nach eigenen Angaben auch die ersten Anwälte, die man mit Bitcoin "bezahlen" kann.

"Auch wir haben miterlebt, dass grundsolide aufgestellten Unternehmen das Bankkonto gekündigt wurde, weil sie im Bitcoin-Bereich tätig sind", sagt Völkel. "Wenn die Compliance Abteilung liest, was der Notenbank-Chef sagt und vor Bitcoin warnt, dann muss der Vorstand auch rechtlich dem folgen", sagt der Anwalt. Aber gleichzeitig würden sich immer mehr Banken für das Thema interessieren. "Und wenn das aus Compliance-Sicht ausgelotet ist, dann werden die Banken selbst Bitcoin-Konten anbieten. In zehn Jahren spätestens."

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