In Zeiten der Corona-Krise erweist sich der elektronische Sport („E-Sport“) als „sicherer Hafen“. Die Welt des konventionellen Sports wurde vom Coronavirus (SARS-CoV-2) hingegen sehr hart getroffen. Nahezu jedes Sportereignis wurde entweder abgesagt oder zumindest auf unbestimmte Zeit verschoben. Während neben klassischem Sport vor allem auch Sparten wie Kino & TV und Themen- Parks leiden, rücken E-Sport und Gaming in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit und werden aller Vorrausicht nach die nächsten Wochen und Monate die komplette Medienindustrie dominieren und verändern.

Durch den kompletten Stopp im Sport ist ein Vakuum entstanden, welches es nun zu füllen gilt. Zum derzeitigen Zeitpunkt ist nämlich nicht abschätzbar, wie lange die Corona-Krise zu Einschränkungen des täglichen Lebens führen wird, umso mehr sind Alternativen gefragt. E-Sport stellt eine solche Alternative dar.

1.            Kompetitives Computerspielen boomt in Zeiten der Corona Krise

E-Sport hat in Zeiten weltweiter Ausgangssperren bzw. -beschränkungen Hochkonjunktur. Die Bevölkerung möchte auch in Zeiten der Corona-Krise unterhalten werden. Irgendwann gehen einem schließlich die Lieblingsserien, die man auf Streamingdiensten wie Netflix und Amazon Prime konsumieren könnte, aus und neue Folgen werden derzeit auch nicht produziert. Mangels echter Alternativen kann daher nur der E-Sport langfristige Unterhaltung bieten.

Der konventionelle Sport ist aufgrund der anhaltenden Corona-Krise in den letzten Wochen zum Erliegen gekommen. Die Europameisterschaft im Fußball wurde auf 2021 verschoben. Die Bundesliga, Championsleague sowie auch die NBA und NHL fielen allesamt dem Coronavirus SARS-CoV-2 bereits zum Opfer: Spiele wurden ohne Publikum ausgetragen, verschoben oder ganz abgesagt. Sportteams können nicht einmal mehr gemeinsam trainieren. Anders als konventionelle Sportler können sich E-Sportler von überall auf der Welt miteinander vernetzen und trainieren. Sie benötigen dafür ausschließlich neben entsprechender Hardware (PC bzw. Konsole) eine leistungsstarke Internetverbindung.

Dies bedeutet aber auch wiederum, dass Wettkämpfe im E-Sport ausschließlich online ausgetragen werden. Die Übertragung kann ebenso vom Heimstudio über Streaming-Plattformen wie Twitch.tv, Mixer, YouTube Gaming und Facebook Gaming erfolgen, während E-Sport-Zuschauer die Matches ebenso von zuhause aus verfolgen.

Die Corona-Krise machte zwar auch vor dem E-Sport nicht Halt und es wurden ebenso Turniere abgesagt oder ohne Publikum ausgespielt. Einen entscheidenden Vorteil gegenüber dem konventionellen Sport hat E-Sport aber sehr wohl: Die „Show“ kann nun online weitergehen. E-Sport ist online entstanden und besinnt sich nun auf seine Wurzeln. Während beim konventionellen Sport Live Events der treibende wirtschaftliche Motor hinter dem Sporterlebnis sind, machen Live Events nur einen Teil der E-Sport Erfahrung aus. E-Sport ist im Hinblick auf die Ausstrahlung und Übertragung von Wettkämpfen nicht von Live Events und Live Publikum abhängig.

Über Streamingplattformen wie Twitch und YouTube werden die E-Sport Ligen für Spiele wie „League of Legends“, „Counter-Strike: Global Offensive“, „Overwatch“ und „Call of Duty“ online ausgetragen. Die League of Legends Championship Series hat zwar ursprünglich die Season ausgesetzt, kündigte aber wenig später die Wiederaufnahme über Onlinewettbewerbe und Onlineübertragungen an. Die Electronics Sports League („ESL“), einer der größten Turnier- und Ligenveranstalter, verschob sein ESL One Dota 2 Major in Los Angeles. Im Gegenzug startete er seine CS:GO Pro League, die ausschließlich online ausgespielt wird.

E-Sport bietet daher in vielerlei Hinsicht zahlreiche Chancen. Sponsoren können gerade in Zeiten wie diesen einen enormen Werbewert generieren, um Ausfälle in anderen Sparten zu kompensieren. Unternehmen, die bereits im E-Sport etabliert sind, freuen sich bereits über die zusätzliche Exposure durch zunehmende Zuschauerzahlen.

2.            Rasanter Internet Traffic-Anstieg

Die Zuschauerzahlen auf den Streamingplattformen wie Twitch.tv und YouTube nehmen stetig zu, zumal nun viele aufgrund der von der Regierung eingeläuteten Corona-Maßnahmen zuhause bleiben und sich die Zeit Videospielen vertreiben.

In dem von der Corona-Krise gebeutelten Italien nahm der Internet Traffic über 70 % zu. Dies war vor allem auf das bei Jugendlichen besonders beliebte Battle Royal Spiel „Fortnite“ zurückzuführen, welches ein neues Update (ca. 25 GB) herausbrachte. Die beliebteste Onlinevertriebsplattform für Videospiele „Steam“ überschritt letztes Wochenende erstmals die Marke von 22 Millionen gleichzeitigen Steam-Nutzern, was einen absoluten Rekord für die Plattform darstellt. Steam wird vom Spieleentwickler Valve Corporation entwickelt und betrieben. Bei vielen Spielern stellt es auf dem Gamingmarkt die erste Wahl dar und bietet das größte Angebot von Computerspielen zahlreicher namhafter Spieleentwickler. Das derzeit erfolgreichste Spiel auf Steam ist der Ego-Shooter „Counter Strike: Global Offensive“. Aufgrund des Coronavirus SARS-CoV-2 werden noch mehr Spiele kostenlos angeboten, um Gamer weiter zu motivieren, zu Hause zu bleiben und zu spielen.

3.            Formel 1 wird virtuell ausgetragen

E-Sportler und Zuschauer können ihren „Sport“ weiterhin betreiben bzw. verfolgen, da E-Sport Turniere und Ligen auch online abgehalten werden können.

Diesen Trend macht sich nun auch der Motorsport zu Nutze: Die Formel 1 stellte für eine Übergangszeit auf virtuellen Betrieb um und rief „F1 Virtual Grand Prix Series“ ins Leben, nachdem am 15. März 2020 der Grandprix von Australien (sowie auch die weiteren sieben Rennen, unter anderem auch Monaco) abgesagt wurden. Ob die F1 Season mit dem GP von Kanada am 14. Juni starten kann, ist unklar. Alle verschobenen Rennen werden nun von zuhause aus vor dem Computer im Rennsimulator „F1 2019“ ausgetragen. Das virtuelle Auftaktrennen „Virtual Grand Prix Bahrain“, an der auch Fahrer aus der Formel 1 teilnahmen, wurde letzten Sonntag, 22. März 2020, auch auf ORF Sport+ übertragen. Die Renndistanz war ursprünglich auf 50 Prozent ausgelegt, wurde jedoch auf 25 Prozent reduziert. Das Rennen gewann der chinesische Formel 2 Fahrer Guanyu Zhou, der an diesem Abend eine souveräne Leistung ablieferte.

Schon zuvor wurde die „Not the AUS GP“ – als Anspielung auf den abgesagten Australien Grandpix – organisiert, an der ebenfalls Formel 1 Fahrer teilnahmen. Mc Laren Fahrer Lando Norris streamte sein Rennen sogar auf Twitch.tv und war von den hohen Zuschauerzahlen, die teilweise 70.000 erreichten, mehr als überrascht. Lando streamt aber auch gängigere E-Sport Titel wie beispielsweise den First-Person-Shooter „Call of Duty“.

Virtuelle Rennspiele oder sog. „Simracing“ führen im E-Sport Bereich (noch) ein Nischendasein. Serien wie diese könnten jedoch zunehmend populärer werden. Neben dem Unterhaltungswert können dadurch vielleicht auch neue Formel 1 Fans hinzugewonnen werden.

4.            Stars entdecken Videospiele für sich

Stars und Sportler sind oft auch aktive Videospieler und können sich nun vermehrt ihrem Hobby widmen. In den üblicherweise vollen Terminkalendern ist plötzlich gähnende Leere, sodass andere, die bisher mit der Thematik wenig zu tun hat, in Videospielen und E-Sport eine neue Freizeitbeschäftigung finden. Zudem bietet das Live-Streamen von Computerspielen die Möglichkeit, mit seinen Fans während des Spiels zu interagieren.

Stars wie der Rapper Snoop Dog oder der deutsche Komiker und Fernsehmoderator Kaya Yanar (Channel: „KayaZockt“) machen das Beste aus der aktuellen Situation und streamen Videospiele auf Twitch.tv. Während Snoop Dog der Football Simulation „Madden“ erlegen ist, spielte Kaya zuletzt vor allem das düstere Horror-Überlebensspiel „Dead by Daylight“. Es handelt sich dabei um ein 1 gegen 4 Multiplayertitel, bei der einer der Spieler eine virtuelle Bestie spielt, vor der die anderen vier Spieler zu entfliehen versuchen; zugegeben, ein originelles Spielprinzip.

Aber auch andere Sportler wie der bekannte Fußballer Mesut Özil, der gerne Fortnite spielt, finden sich auf Twitch.tv. Es ist davon auszugehen, dass noch mehr Stars und Sportler Videospiele für sich entdecken werden. Dies könnte auch zu einem fruchtbaren gegenseitigen Austausch führen und auch die Gaming Community könnte von diesem Austausch profitieren.

5.            Schlussbemerkungen

Die Relevanz von E-Sport nimmt weiter zu, da es eine der wenigen Freizeitaktivitäten ist, die fast ohne Einschränkungen fortgesetzt werden kann. Die Zuschauerzahlen schießen derzeit weltweit durch die Decke und wird sich dies auch an den Zuschauerzahlen bei zukünftigen Offline Events widerspiegeln. Menschen, die von E-Sport gehört haben, jedoch bisher keine Zeit hatten, um sich damit zu befassen, können das jetzt nachholen. Eltern können sich mit ihren Kindern Streams gemeinsam auf Twitch ansehen. Vor allem Sportsimulationen, die leichter zugänglich sind, wie beispielweise „Fifa202“, könnten jetzt profitieren. Aber auch Ego-Shooter wie „Call of Duty sind einfacher zu verstehen, als Spiele wie League of Legends oder Dota 2.

E-Sport ist nicht nur unterhaltsam und lenkt ein wenig vom aktuellen Tagesgeschehen ab, sondern stellt auch ein ernst zu nehmendes Business dar. In der Sportgeschichte war die Zeit niemals besser als jetzt, um in den E-Sport einzusteigen, um den Werbewert von E-Sport nutzen, um eigene Produkte zu bewerben oder sich zumindest für die Zukunft in diesem Bereich zu positionieren. Die aktuelle Corona-Krise beweist einmal mehr, dass E-Sport der „krisenfeste“ Sport der Zukunft ist.

Urim Bajrami