Die Wiener Niederlassung von Business France* veröffentlichte kürzlich einen Artikel (nur auf Französisch verfügbar)[i], der die lukrativen Aspekte des österreichischen Sportmarktes bewirbt. Der Artikel ist eine klare Aufforderung an die in der Sportindustrie tätigen französische Akteure, ihr Geschäft in Österreich weiter auszubauen.

*) Business France ist eine staatliche französische Agentur, die das Image Frankreichs als unternehmensfreundliches Land fördert und internationale Investitionen in Frankreich unterstützt. Weiters unterstützt die Agentur französische Unternehmen beim Ausbau ihres Exportgeschäfts.

Freizeit und vor allem Sport spielen eine wichtige Rolle im Leben der Österreicherinnen und Österreicher. So waren 2017 beispielsweise 16.500 Sportvereine im ganzen Land aktiv, wobei diese fast 25 % der österreichischen Bevölkerung zu ihren Mitgliedern zählten.[ii] Statistiken zeigen auch, dass Menschen über 70 Jahre immer noch aktive Konsumenten von Sportprodukten und -dienstleistungen sind.

Sport ist nicht nur ein wichtiger Bestandteil der österreichischen Kultur, sondern wird von Business France auch als einer der Wirtschaftsmotoren des Landes bezeichnet. Der Umsatz der Sektoren Sport und Outdoor beläuft sich 2019 auf schätzungweise EUR 224 Millionen; das Marktvolumen soll bis 2023 sogar ein Volumen von EUR 291 Millionen erreichen.[iii] Darüber hinaus steigert die Sportindustrie die Wertschöpfung und schafft Arbeitsplätze. Konkret ist die Sportindustrie verantwortlich für eine Bruttowertschöpfung (BWS) von EUR 17,1 Millionen und beschäftigt 333.765 Personen (oder 7,8 % der Erwerbsbevölkerung).[iv] Die wirtschaftlichen Möglichkeiten im Bereich des Exports von österreichischen Sportartikeln sollten daher nicht unterschätzt werden.

Im Jahr 2017 beliefen sich die französischen Exporte nach Österreich auf EUR 6,1 Millionen und erreichten damit den 13. Platz im Länderranking der Anbieter von Sportartikeln in diesem Land. Französische Produkte sind folglich auf dem hiesigen Markt nur schwach vertreten. Business France sieht eine echte Chance für französische Anbieter (wie z.B. Salomon, Rossignol, Dynastar, Decathlon, Lafuma, Millet, etc.), ihre Exportstrategie in Österreich zu verstärken, um Marktanteile zu gewinnen.

Business France weist auf die zahlreichen Sportwettbewerbe in Österreich hin, die Möglichkeiten für Sponsoring bieten. So veranstaltete Kitzbühel 2019 das monumentale Hahnenkamm-Abfahrtsrennen und Seefeld die Nordische Ski-Weltmeisterschaft. Darüber hinaus wird Sölden im Oktober die Eröffnung des alpinen Skiweltcups und Hochfilzen im November den Biathlon-Weltcup ausrichten.

Tatsächlich ist die Skiindustrie in Österreich, dessen Staatsfläche beinahe zu zwei Dritteln von den Alpen bedeckt ist, besonders profitabel.[v] Das Land umfasst rund 400 Skigebiete, 7.300 km Pisten und 2.580 Liftanlagen. 41,5 Millionen Gäste kommen jedes Jahr nach Österreich, davon 33,3 % nach Tirol. Mit einem durchschnittlichen Tagesumsatz von EUR 152 pro Person in der Wintersaison ist die Wintersportbranche zweifellos lukrativ.[vi]

Aufgrund historischer, kultureller und sprachlicher Verbindungen dominieren Importe aus Deutschland den österreichischen Sportmarkt, was französische Anbieter davon abhalten kann, auf einen „bereits eroberten“ Markt zu expandieren. Noch härter kann die Konkurrenz mit den österreichischen Marktführern wie Red Bull, Head oder Fischer ausfallen.

Dennoch bleibt die Niederlassung von Business France optimistisch, was die Entwicklung der Geschäftsbeziehungen zwischen französischen Unternehmen und lokalen Akteuren betrifft. Nach Angaben der Agentur kann die Marginalität des französischen Angebots eher durch einen Mangel an Möglichkeiten als durch mangelndes Interesse erklärt werden. Die Agentur, deren Aufgabe unter anderem darin besteht, den Export zu fördern und zu erleichtern, fordert französische Unternehmen auf, ihre Bemühungen zu intensivieren, um auf dem österreichischen Markt Fuß zu fassen und einen größeren Anteil am Kuchen zu gewinnen.

Margaux Mermin

[i] Business France, L’Autriche, terre d’opportunités méconnue de l’industrie sportive, 23.09.2019, (FR) https://www.businessfrance.fr/export-s-informer/Autriche-industrie-sportive

[ii] Statista, Statistiken zum österreichischen Sport, 19.02.2019, (DE) https://de.statista.com/themen/4484/sport-in-oesterreich/

[iii] Statista, Sport & Outdoor, 2019, (DE) https://de.statista.com/outlook/259/128/sport-outdoor/oesterreich

[iv] Zahlen und Fakten der Wirtschaftskammer Österreich, Advantageaustria.org, Business Guide Österreich, 24.05.2019, (DE) https://www.advantageaustria.org/international/zentral/business-guide-oesterreich/importieren-aus-oesterreich/sport_freizeit/Zahlen-und-Fakten.de.html

[v] Oesterreich.com, Gebirgslandschaft, (DE) https://www.oesterreich.com/de/staat/gebirgslandschaft

[vi] Federal Ministry for Sustainability and Tourism, National Data, 31.07.2019, (EN) https://www.bmnt.gv.at/english/Tourism0/Tourism-Statistics/National-data.html