Die Europäische Bankenvereinigung veröffentlicht ein Positionspapier zu Krypto-Assets und Initial Coin Offerings (ICOs)

Am 12. Dezember 2018 veröffentlichte die European Banking Federation (EBF), eine Vereinigung von 32 nationalen Bankenverbänden in Europa, ein Positionspapier zu Krypto-Assets und Initial Coin Offerings (ICOs). Dieser Artikel fasst die wichtigsten Ergebnisse und Empfehlungen der EBF zusammen und analysiert dieses Positionspapier am Ende des Artikels kurz.

Krypto-Token als neue Anlageklasse

Die EBF anerkennt Krypto-Token, das sind Security- und Utility-Token als eine neue Anlageklasse. Das Positionspapier hebt mehrere Vorteile von Krypto-Token hervor, wie z.B. die daraus resultierende höhere Effizienz bei der Abwicklung von Wertpapieren, die Möglichkeit einer besseren Individualisierung der Anlageklassen und der ´dadurch ermöglichte Zugang zu dezentralen Plattformen. Die EBF scheint generell in Bezug auf den Einsatz von Krypto-Token optimistisch zu sein und erwartet, dass in naher Zukunft eine stärkere Tokenisierung von Vermögenswerten erfolgen wird, einschließlich der Tokenisierung und anschließende Handel mit Gewerbeimmobilien, Wertpapiergattungen und personenbezogenen Daten.

Bullish im Bezug auf ICOs, bearish im Bezug auf STOs

Das Positionspapier sieht ICOs, die Utility-Token als „eine neue Art der öffentlichen Geldbeschaffung“ anbieten, als eine Finanzierungsmöglichkeit an, die „Crowdfunding in Bezug auf Geschwindigkeit, Reichweite und Entstehung eines Sekundärmarktes übertreffen könnte“. Laut Positionspapier haben ICOs niedrigere Eintrittsbarrieren als traditionelle IPOs oder Finanzierungsrunden mittels Venture Capital. Zu den größten Mängeln von ICOs gehören jedoch Betrugsfälle, Täuschungen, Hacks und Cyber-Attacken, die auf ICOs abzielen. Trotz dieser Herausforderungen sieht der EBF die ICOs als „eine potenzielle Möglichkeit zur Kapitalbeschaffung in einem Bereich, in dem Europa derzeit darum kämpft, mit den USA und ihren besseren Finanzierungsmöglichkeiten zu konkurrieren“.

Im Gegensatz dazu sieht das EBF die STOs weniger optimistisch. Obwohl das Positionspapier eingesteht, dass STOs immer beliebter werden, betrachtet der EBF STOs als ein kurzfristiges Phänomen. Das Papier sieht die begrenzte Akzeptanz und Kapazität von STOs weltweit sowie die Skepsis der Kryptogemeinschaft selbst, von der die EBF behauptet, dass sie „die Verbriefung als Mittel der Zentralisierung und Identifikation“ kritisiert habe.

Aktuelle Risiken und Bedrohungen

Die EBF identifiziert verschiedene Risiken, die typischerweise mit Krypto-Assets verbunden sind, darunter das Risiko von Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung, hohe Volatilität und Spekulation sowie mangelnder Verbraucherschutz. Trotz dieser Risiken kommt die EBF jedoch zum Schluss, dass Krypto-Assets keine unmittelbare Bedrohung für die globale Finanzstabilität darstellen, es jedoch eines Tages tun könnten, wenn die Entwicklung der Krypto-Assets sich weiterentwickeln.

Stand der Regulierung

Das Positionspapier enthält mehrere Vorschläge zur Regulierung von Krypto-Assets aus Bankensicht. Generell schlägt die EBF vor, Risiken analog zu denen in traditionellen Märkten und in der Finanzindustrie zu identifizieren und Krypto-Assets auf dieselbe Art und Weise zu regulieren. So nennt die EBF beispielsweise die Prospektrichtlinie, die MiFID-Verordnungen und die AIFM-Verordnung als Regulierung, die darauf abzielt, den Anlegerschutz zu erhöhen und Betrugsfälle zu reduzieren. Die EBF argumentiert, dass für ICOs die gleichen oder ähnliche Grundsätze gelten sollten und könnten, insbesondere wenn Token mit einem Wertpapiere vergleichbar sind.

Die EBF plädiert auch für einen technologieneutralen Ansatz für zukünftige Regulierungen, welche sich „auf die Auswirkungen auf den Finanzmarkt und nicht auf die Technologie konzentrieren sollten“. Das Positionspapier kommt zum Schluss, dass weitere Forschungsarbeiten über die Technologie der Distributed Ledger Technologie erforderlich sind, um den besten Regulierungsansatz für die Zukunft zu finden.

Unsere Position

In vielen Kernpunkten des Positionspapiers stimmen wir mit der EBF grundsätzlich überein. Wir teilen die Ansicht, dass Krypto-Assets das Potenzial haben, Industrien zu verändern und Innovationen voranzutreiben. Das in den letzten anderthalb Jahren stark gestiegene Interesse von Verbrauchern an Krypto-Assets unterstreicht die Notwendigkeit angemessener Regelungen zum Schutz der Verbraucher. Viele der bereits von der EBF erwähnten in der EU geltenden Gesetze und Verordnungen wurden explizit zu diesem Zweck formuliert. Wir begrüßen die Position der EBF, dass wir uns zunächst den derzeitigen Regulierungsrahmen ansehen müssen, um zu sehen, welche der bestehenden Prinzipien die Risiken wir im Zusammenhang mit Krypto-Assets anwenden sollten und können.

In diesem Sinne betrachten wir STOs als eine gute Möglichkeit für große und kleine Unternehmen, um Kapital aufzubringen, das vom Unternehmen zur Finanzierung von Projekten und zum weiteren Wachstum benötigt wird. Im Gegensatz zu ICOs fallen STOs unter die Finanzmarktaufsichtsgesetze und stellen öffentliche Angebote wie an traditionellen Kapitalmärkten dar. Damit sind dieselben  umfangreichen Offenlegungspflichten und andere Vorschriften verbunden, welche vor allem dem Anlegerschutz dienen. STOs kombinieren die Vorteile einer erprobten Regulierung unterworfen zu sein mit der Effizienz der Blockchain-Technologie, die institutionelle Akteure wie regulierte Börsen, Broker-Dealer und auch Banken ermutigen sollte, sie als legitime Alternative zu den traditionellen Kapitalmärkten zu betrachten. Aus diesen Gründen sehen wir über das Potenzial von STOs sehr positiv und gehen davon aus, dass sich STOs langfristig zu einem wichtigen Bestandteil von Kapitalmärkten entwickeln werden.